Vorwort 

Mit der vierten aktualisierten Auflage der Handreichung „RECHNEN FÜR ALLE – Vom Lernen im Gleichschritt zum Lernen an gemeinsamen Aufgabenformaten“ ist ein fachlich fundierter Leitfaden für den inklusiven Anfangsunterricht im Lernbereich Mathematik gelungen.

Nicht zuletzt das Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention 2008 und die gesammelten Ergebnisse aus den PISA-Studien weisen immer wieder auf die hochaktuelle Herausforderung hin, im gemeinsamen Unterricht mathematische Basiskompetenzen zu lehren und zu lernen. Die Voraussetzung hierfür besteht zum einen in einer sorgfältigen Feststellung der Lernausgangslage – z.B. mit Hilfe einer Kind-Umfeld-Analyse – sowie der fortlaufenden Evaluierung des Lernprozesses innerhalb des Mathematikunterrichts und der Re-Formulierung der diagnostischen Erkenntnisse.

Zum anderen gilt es, einen qualitativ guten und zieldifferenten Mathematikunterricht zu entwickeln, an dem alle Schüler:innen auf der Basis ihrer Fähigkeiten teilhaben und beitragen können. Genau an dieser Stelle setzt die vorliegende Handreichung an, indem sie sehr praxisbezogen und anschaulich mit vielen Tipps bzw. Beispielen auf den Mathematikunterricht eingeht. Unter Berücksichtigung evidenzbasierter Forschungsergebnisse werden Differenzierungsmaßnahmen sowohl nach „oben“ (z.B. erhöhter Schwere-/Abstraktionsgrad der Aufgaben oder Transferleistungen) als auch nach „unten“ (z.B. Elementarisierung oder der Einbezug handlungsorientierter Materialien) dargestellt, um die große Vielfalt und Diversität der Schülerschaft im inklusiven Lernsetting qualitätvoll zu berücksichtigen.

Im Einzelnen gliedern sich die auf das Rechnen-Lernen als Kulturtechnik bezogenen arithmetischen Themengebiete auf folgende Inhalte:

  • Grundlagen des gemeinsamen Strategieunterrichts,
  • Rechnen lernen im täglichen Mathetraining,
  • Vom Rechnen zum flexiblen Rechnen,
  • Theoretischer Hintergrund des gemeinsamen Strategieunterrichts,
  • Leben und Arbeiten in Gruppen.

Hierbei wird deutlich (S. 29), dass die handelnde (enaktive) Ebene der Ausgangspunkt für das Verständnis des Zahlsystems bildet, die sich in einem möglichst hohen Maße an Selbsttätigkeit der Schüler:innen beobachten lässt. Danach folgen Aufgaben bzw. Lernen auf der bildlichen (ikonischen) und abstrakten (symbolischen) Ebene. Neben der Unterstützung durch die Lehrpersonen wird v.a. auch auf die Hilfe durch Mitschüler:innen bzw. auf das Peer-Learning in heterogenen Lerngruppen fokussiert.

Der dargestellte Aufbau des Mathematiklehrgangs und des gemeinsamen Strategieunterrichts kann innerhalb der Grundelemente des offenen Unterrichts wie Freiarbeit, Spiel, Morgenkreis, Wochenplan- und Projektarbeit umgesetzt werden. Zudem findet der Mathematikunterricht in strukturierteren, lehrer:innenzentrierten Phasen statt, ebenso wie bei der Etablierung von Regeln und Ritualen. Die Ausführungen der Handreichung beziehen sich dabei ausdrücklich auch auf Kinder mit erhöhtem bzw. höherem Förderbedarf (S. 12f. und S. 49ff.).

Spannend wäre in der Tat die wissenschaftliche Begleitung eines Schulversuchs, die die mathematikdidaktische Vorgehensweise wie in dieser Handreichung beschrieben mit der eines üblichen Anfangsunterrichts vergleicht. Hierzu bedarf es allerdings neben dem leitenden Erkenntnisinteresse wohl mehrere Doktorand:innen und zuverlässige Praxispartnerschaften mit gut geschultem Personal. Was für ein spannendes wie auch anspruchsvolles Projekt, bei dem die Entwicklungs-, Interaktions- und Situationsorientierung im Mittelpunkt stehen!

Die Konzeption der Handreichung geht insgesamt insofern über den Mathematikunterricht hinaus, als dass die positive Lernatmosphäre, der Wert der Klassengemeinschaft und das Wohl der ganzen Schule in den Blick gerät. So erhält die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen im Lebensraum Schule eine besondere Bedeutung, indem Schule als ein Ort gesehen wird, "an dem Lehrer:innen und alle Kinder sich sicher fühlen, ein Gemeinschaftsgefühl entwickeln können, an dem gemeinsam ernsthaft und erfolgreich (!) gelernt, aber auch viel gelacht wird" (aus dem Mailaustausch mit dem Herausgeber).

Die Handreichung leistet mit Sicherheit dazu ihren Beitrag, Lehrer:innen hierfür einen Weg aufzuzeigen und ein gemeinsames Lernen, Erziehen, Spielen sowie (Er-)Leben zu ermöglichen.

Erfurt im August 2025

Prof. Dr. Andrea C. Schmid

Kontakt:

Universität Erfurt, Nordhäuser Str. 63, 99089 Erfurt

Mail: andrea.schmid@uni-erfurt.de

 

 

RECHNEN FÜR ALLE 

SBN 978-3-9827106-3-1

4. Auflage im September 2025

Kostenlose Ansichtsexemplare derzeit in beschränktem Umfang erhältlich über den Autor

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