Inklusiver arithmetischer Anfangsunterricht  

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Einige allgemeine didaktische Ziele         
eines inklusiven Anfangsunterrichts   


Alle Kinder sollen ein sicheres Zahlverständnis aufbauen und das Kopfrechnen auf der Grundlage des Einspluseins auf einem für alle günstigen Lernweg in ihrem Lerntempo auf einem möglichst hohen Leistungsniveau erlernen ...                zum Text
Günstige Lernbedingungen für alle - Ziele


Wie wir günstige Lernbedingungen für alle Kinder - von Kindern mit mathematischen Lernschwierigkeiten bis zu mathematisch talenterten - beim Erwerb arithmetscher Basiskompetenzen schaffen wollen ...                                       zum Text
Günstige Lernbedingungen für alle - Umsetzung in einem Strategieunterricht als inklusivem Anfangsunterricht

Basisnumerische Inhalte für Kinder mit mathematischen Lernschwierigkeiten / Verzicht auf den  Zehnerstopp - ist ein Strategieunterricht eine Alternative ? /  Strategieunterricht für Kinder mit mathematischen Lernschwierigkeiten         zum Text

Didaktische Ziele eines inklusiven Anfangsunterrichts

Alle Kinder - von Kindern mit Lernschwierigkeiten bis zu mathematisch talentierten Kindern - sollen in einem Unterricht, der ohne zusätzliche Fördereinheiten auskommt (die in der Schulpraxis oft unregelmäßig stattfinden), ein sicheres Zahlverständnis aufbauen und das Kopfrechnen auf der Grundlage des Einspluseins 

  1. auf einem für alle günstigen Lernweg 
  2. in ihrem Lerntempo 
  3. auf einem möglichst hohen Leistungsniveau erlernen.

Wir wollen lernschwächeren Kindern (vgl. S. 50, 51), also Kindern

  • die sich oft Dinge nicht so schnell und so leicht merken können (Langzeitgedächtnis) 
  • und/oder die Informationen nicht so schnell und gut unmittelbar aufzunehmen, behalten und bearbeiten zu können (Gedächtnisspanne bzw. Merkspanne) 
  • und/oder mit weniger guten Fähigkeiten neue Strukturen zu erlernen ( „Induktives Denken“ / fluide Intelligenz: analysieren, vergleichen und systematisieren) 

ebenso wie Kindern mit einer Rechenschwäche gute Lernbedingungen im inklusiven Unterricht  bieten. Wir machen uns auf den Weg den Anfangsunterricht zu einem inklusiven Anfangsuntericht umzubauen und damit didaktisch neu zu organisieren.

Günstige Lernbedingungen für alle Kinder - Ziele

Wie wir günstige Lernbedingungen für Kinder mit mathematischen Lernschwierigkeiten beim Erwerb arithmetscher Basiskompetenzen schaffen wollen:
  mehr Zeit und systematische Veranschaulichungen, um sichere basisnumerische Grundlagen erwerben zu können
  überschaubare Lernsituationen
  induktives Denken: systematische, regelmäßige Hilfen beim Erlernen neuer abstrakter Inhalte
  Kurz- und Langzeitgedächtnis: systematische Wiederholungen und Wiederholungsschleifen 
  nachweislich effektive Unterrichtsmethoden für Kinder mit Lernstörungen (S. 13,  S. 54-56): direkte Instruktion, Strategieinstruktion

Wie wir einen inklusiven Anfangsunterricht organisieren wollen, um günstige Lernbedingungen               für alle Kinder, insbesondere auch für mathematisch talentierte, schaffen zu können:
  gemeinames Arbeiten an einem Aufgabenformat - kein Lernen im Gleichschritt
  alle Kinder von Anfang an Tag für Tag an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit bringen / neues Lernen ermöglichen
  Respekt und Achtung vor individuellen Leistungsfortschritten in der Gruppe
  Freude beim gemeinsamen Lernen in der Gruppe 
Günstige Lernbedingungen für alle Kinder -                                                             Umsetzung in einem Strategieunterricht als inklusivem Anfangsunterricht
(Wir stellen hier unsere Überlegungen bzw. unseren Weg dar, den wir im Laufe der Jahre vom konventionellen Anfangsunterricht zum inklusiven Strategieunterricht gegangen sind)

1. Wir geben Kindern mit mathematischen Lernschwierigkeiten eine professionelle Unterstützung und die Zeit, die sie brauchen, um basisnumerische Inhalte in ihrem Lerntempo erlernen zu können
  Damit die Kinder sichere basisnumerische Grundlagen erwerben können, arbeiten wir jeden Tag im basisnumerischen Bereich.
  Wir arbeiten sehr viel mit Veranschaulichungen auf ikonischer Ebene und bieten immer den Zugang über die n-aktiv, handelnde Ebene an.                So veranschaulichen wir beispielsweise beim Zählen (Trainingsfeld 1: S. 22, 23) immer bereits Mengendarstellungen an der Magnettafel.

In einem gemeinsamen Unterricht würden wir in begrenzten Zahlenräumen bis 10, 20, 100 oder 1000 andere Kinder, insbesondere mathematisch talentierte bei täglichen Übungen im basisnumerischen Bereich ziemlich langweilen. 
  Daher arbeiten wir von Anfang an im nach oben offenen Zahlenraum. Hier werden Muster und Strukturen unseres Stellenwertsystems            deutlich, was für alle Kinder didaktisch ein weiterer, großer Vorteil ist.     


2. Wir wollen für Kinder mit mathematischen Lernschwierigkeiten beim Erlernen des Rechnens                     auf den Zehnerstopp verzichten - ist alternativ ein "Strategieunterricht" möglich und sinnvoll? 
  Viele Kinder, nicht nur Kinder mit mathematischen Lernschwierigkeiten, haben große Probleme das Zehnerstoppverfahren zu erlernen.                    Kinder werden insbesondere bezüglich ihrer Leistungen des Kurz- und Langzeitgedächtnisses überfordert. Mehr dazu auf den Seiten 36-38
  Das Erlernen des Rechnens ist allein mit Ableitungsstrategien möglich, wie wir auf den Seiten Seiten 38-41 dargestellt haben. 
  Ein Strategieunterricht zum Erlernen des Einspluseins wäre also möglich, sicher ein toller Lernweg für mathematisch talentierte Kinder, es               stellt sich aber die berechtigte Frage, ob dieser Weg für Kinder mit mathematischen Lernschwierigkeiten ein guter Weg sein könnte.                      Wir stellen auf Seite 42 dar, wieso wir diesen Lernweg  (induktives Denken / Erlernen neuer Inhalte mit dem Lernen über Abstraktions-                     ebenen) für günstig halten, es kommt jedoch ganz auf die didaktische Umsetzung an. 
  Ist ein Strategieunterricht für die Organisation eines inklusiven Unterrichts geeignet? Wir können allen Kindern einer Schulklasse im                  Strategieunterricht beim Lernen an gemeinsamen Aufgabenformaten Tag für Tag eine große Zahl unterschiedlicher Anknüpfungs                  punkte für individuelles Lernen bieten. Bei dem spiralförmig angelegten Vorgehen können wir Kinder immer wieder mit denselben                  Strategien in unterschiedlich komplexen Rechenzusammenhängen bzw. Zahlenräumen konfrontiert werden: so wird auf individueller           Ebene das Lernen bei jedem Kind zum erfolgreichen Weiterlernen, so kann auf Klassenebene der Heterogenität der Leistungs-               niveaus einzelner Kinder in einem inklusiven Unterricht von Anfang an Rechnung getragen werden.
 Wir können, wie wir das an vielen Beispielen zeigen, im Strategieunterricht die Gruppenbildung und die Persönlichkeitsentwicklung jedes                  Einzelnen auf der Grundlage des Konzepts "Leben und Arbeiten in Gruppen" fördern. Sehr intensive gemeinsame Unterrichtsphasen wie das          tägliche "Mathetraining" bieten ausgezeichnete Gelegenheiten, dass sich Kinder in unterschiedliche Rollen selbst und andere wahrnehmen              und beobachten können und mit der Zeit achten und schätzen lernen. 


3. Was wir im Unterricht mit Kindern mit mathematischen Lernschwierigkeiten                                                 im Einzelnen beim Erlernen des Rechnens im Strategieunterricht beachten wollen
  Strategien lernen in überschaubaren Lernsituationen: im konventionellen Unterricht werden Strategien in begrenzten Zahlenräumen,                    meist im Zwanzigerraum, erlernt. So ergeben sich nur wenige Möglichkeiten für das Üben einzelner Strategien. Es folgt das Erlernen immer              weiterer Strategien und schon sehr bald der Vergleich einzelner Strategien u. a. als "Darstellungsvernetzung". Wir können uns vorstellen,                  dass diese Vorgehensweise dazu führen kann, dass Kinder mit guter fluider Intelligenz flexibel rechnen lernen. Für Kinder mit Lernschwierig-            keiten erscheint uns dieser Lernweg doch sehr unübersichtlich zu sein, ein Lernen im Gleichschritt, immer wieder neue Strategien, keine                    regelmäßigen Wiederholungen des Gelernten, wenige Übungsmöglichkeiten, keine systematisches, regelmäßiges Lernen über verschiedene            Abstraktionsebenen. Uns sind keine Studien bekannt, die den Lernerfolg hinsichtlich flexiblen Rechnens von Kindern mit mathematischen                Lernschwierigkeiten im konventionellen Unterricht belegen würden. 
  Strategien lernen Lernen in überschaubaren LernsituationenMichael Gaidoschik schlägt einen Strategieunterricht vor, in dem immer                   zunächst an einer Strategie gearbeitet wird und damit lernschwächeren Kindern für sie überschaubare Lernsituationen bieten kann.                           "Alle Kinder können Strategien verstehen, aber manche benötigen dabei gezielte Unterstützung. Sie müssen Zeit haben, sich erst ein-               mal (und sei es über Wochen) auf nur eine Strategie einzulassen." (Gaidoschik, M. 2009). Zudem fordert er immer wieder, Kindern im                     Unterricht keine "künstlichen Zahlengrenzen" vorzugeben und von Anfang an in der Grundschule im nach oben offenen Zahlenaum zu                     arbeiten. Folgen wir dem, haben wir die Möglichkeit eine einzige Rechenstrategie mit einer großen Anzahl von Übungsaufgaben mit                     allen Kindern auf unterschiedlichen Leistungsniveaus am gemeinsamen Lerngegenstand zu arbeiten und mathematisch talentierte                   Tag für Tag an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit heranführen (S. 26-27).
  Wir ergänzen die von Michael Gaidoschik vorgeschlagene Vorgehensweise mit dem Erlernen von Ableitungsstrategien in Mathetrainings              mit dem Aufgabenformat "Rechnen mit Starterzahlen". Wir kommen immer auf der Grundlage einer an der Magnettafel dargestellten Zahl           bereits in der ersten Schulwoche auf der Grundlage von einer einzigen Zahl während des Mathetrainings ins Rechnen (S. 28, 29). 
  Induktives Denken - analysieren, vergleichen, systematisieren - das Erlernen neuer abstrakter Inhalte bzw. der Erwerb arithmetischer                Kompetenzen mit dem Erlerenen von Ableitungsstrategien (S. 10 und S. 46-48): Wir wechseln beim Rechnen systematisch (!) permanent             die Abstraktionsebenen, lassen Hilfen auf handelnder und bildlicher Ebene weg, fügen Hilfen auf handelnder und bildlicher Ebene an, wir                 abstrahieren und konkretisieren und umgekehrt, bis alle Kinder gestellte Aufgaben auf abstrakt-symbolisch-sprachlicher Ebene  ohne Hilfen             auf der Grundlage von Verständnis lösen können.  
  Gedächtnisleistungen / Üben und automatisieren: Kindern mit mathematischen Lernschwierigkeiten haben oft unterdurchschnittliche                      Gedächtnisleistungen. Daher müssen wir den Unterricht so konzipieren, dass wir Inhalte so oft wie es uns notwendig erscheint, wiederholen            können. Dies gelingt uns im Mathetraining, in dem wie immer wieder Aufgabestellungen an einem Aufgabenformat von "ganz leicht" bis                  "sehr schwer" anbieten können. Ein Strategieunterricht im nach offenen Zahlenraum eignet sich gut, derr spiralförmige Aufbau erlaubt uns                Inhalte häufig zu wiederholen und zu erweitern (Wiederholungen und Wiederholungsschleifen (S. 12, 13).    
  Induktives Denken - analysieren, vergleichen, systematisieren - Strategiewahl: Wenn Kinder gelernt haben mit einer Strategie zu rechnen,             können sie noch lange nicht flexibel rechnen, also verschiedene Rechenaufgaben mit unterschlichen Rechenstrategien lösen. Hierzu führt                Michael Gaidoschik aus: "Wenn ein Kind sich eine Strategie zu eigen gemacht hat, kann es die nächste lernen. Später bedarf es eines                  gezielten Trainings gerade in der Auswahl einer bestimmten Strategie. So ist ein systematisches, regelmäßiges Training der Strategie              wahl 'eine conditio sine qua non' für das Erlernen flexiblen Rechnens insbesondere für Kinder mit mathematischen Lernschwierigkeiten.          (S. 32, 33)
  effektive Unterrichtsmethoden: Alle Kinder profitieren im Anfangsunterricht von nachweislich effektiven Unterrichtsmethoden, Kinder mit                Lernschwierigkeiten sogar in ganz besonderem Maße (S. 52-54). 

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